Wie geht unsere Gesellschaft mit den Sterbenden um?

Um mich über die praktischen Auswirkungen des kürzlich verabschiedeten Gesetzes zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung zu informieren sowie um zu erfahren, welche Maßnahmen noch notwendig sind, habe ich das Caritas-Hospiz Xenia besucht. Dort kam ich mit der Einrichtungsleiterin Sabine Ritter sowie dem Vorstandsvorsitzenden des Caritasverbandes Nürnberg e.V. Bernhard Wacker ins Gespräch.

Das Hospiz Xenia ist zwar das einzige Hospiz in katholischer Trägerschaft in Nürnberg, aber die Konfession spielt für die Aufnahme keine Rolle. Das Hospiz verfügt über 10 Betten, welche über das Jahr zu 95 Prozent ausgelastet sind. Um die Patienten kümmern sich 16 hauptamtliche sowie 16 ehrenamtliche Mitarbeiter. In den letzten Jahren gab es einen deutlichen Anstieg der Angehörigengespräche von ca. 200 pro Jahr auf über 350. Dies zeigt die gestiegene Sensibilität der Bevölkerung für die wichtige Hospizarbeit. Es ist zu vermuten, dass es durch das neue Gesetz noch mehr Anfragen auf einen Platz geben wird.

Durch die Bereitstellung von rund 200 Millionen Euro durch den Bund kann die finanzielle Ausstattung von Hospizen und Palliativstationen verbessert werden. Die Mittel fließen in erweiterte Beratungen, zusätzliche ärztliche Leistungen sowie den verstärkten Einsatz ambulanter Dienste. Statt wie bisher nur 90% erhalten stationäre Hospize nun 95% der zuschussfähigen Kosten erstattet. Eine Vollfinanzierung von Hospizen entspricht hingegen nicht der Vorstellung der Unionsfraktion und auch nicht den Wünschen aller Beteiligten. Denn: Niemand wünscht sich das Aussterben der vom Ehrenamt getragenen Hospizbewegung zugunsten eines privaten Sterbemarkts, auf dem Geschäfte mit dem Tod gemacht werden.

In gewisser Weise hat sich bei dem Gespräch auch meine Annahme bestätigt, dass die Verbesserung der Palliativversorgung eine wichtige Voraussetzung für das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe ist. Die Verbindung einer guten Palliativversorgung mit menschlicher Zuwendung lässt viele Patienten Abstand vom Wunsch nach einem begleiteten Suizid nehmen.

Obwohl das Hospiz Xenia in einer Großstadt liegt, erstreckt sich sein Einzugsbereich auf die ganze Metropolregion Nürnberg. Die Situation auf dem Land ist mit der in der Stadt überhaupt nicht vergleichbar – im ländlichen Raum herrscht großer Angebotsmangel. Daher wurde mir gegenüber auch die Forderung nach einer Verbesserung des flächendeckenden Ausbaus der Hospizversorgung geäußert. Auch hierfür sieht das verabschiedete Gesetz konkrete Maßnahmen vor. So sollen regionale Bedarfsanalysen Aufschluss darüber geben, wo eine bedarfsgerechte Förderung von Hospizleistungen am Dringendsten erforderlich ist. Die bisherigen Verfahren für Versorgungsverträge zwischen Kassen und Einrichtungen werden flexibler gestaltet und von unnötiger Bürokratie befreit.

Ich danke nochmals allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für Ihren außergewöhnlichen Einsatz. Ihre Anstrengungen bedeuten, dass auch bei einer tödlichen Krankheit jeder verbleibende Tag lebenswert gemacht werden kann.

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