Aufstehen für Religionsfreiheit und Einstehen für verfolgte Christen!

Weltverfolgungsindex, verfolgte Christen, Glauben, Freiheit, Stephansukreis
Michael Frieser mit dem Neumarkter OB Thumann und Vertretern der Ökumene

In einer Zeit der Massenflucht, in der so viele Menschen aus den verschiedensten Winkeln der Erde oftmals des Glaubens wegen vertrieben bei uns eine neue Heimat finden wollen, kann man nicht einfach als Christ den Kopf abwenden und sagen: „Was geht mich das an?“ Aus diesem Grund nahm ich die Einladung des Ökumenischen Arbeitskreises Neumarkt zur Kundgebung für Religionsfreiheit vor dem Neumarkter Rathaus an. Pastor Ado Greve von Open Doors stellte dabei den sog. „Weltverfolgungsindex 2015“ vor, der nicht nur nüchtern statistische Trends und Hintergründe aufzeigt, sondern den Verfolgten auch eine Stimme gibt. Vertreter der Armenisch-apostolischen Kirche in Nürnberg erinnerten an den Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915/1916 und stellten die heutige Situation der zerstreuen armenischen Christen in aller Welt dar.

Als Mitglied im Bundestagsausschusses Menschenrechte und humanitäre Hilfen und als Unionsabgeordneter war es mir dabei ein besonderes Anliegen, zu berichten, was die CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Religionsfreiheit tut. Erst vor zwei Wochen hat der Deutsche Bundestag beschlossen, dass die Bundesregierung bis Juni 2016 erstmalig einen Bericht zum Stand der Religionsfreiheit weltweit vorlegen muss. Dabei soll auch gezeigt werden, welche politischen Bemühungen die Regierung konkret unternimmt, dieses Menschenrecht weltweit zu fördern. Schon im April 2010 wurde in der CDU/CSU-Fraktion der Stephanuskreis gebildet, ein überkonfessionelles Gremium mit mehr als 50 Mitgliedern, das sich bis heute intensiv dieser Frage widmet. Das Thema ist und bleibt in Veranstaltungsreihen und Projektgruppen immer wieder ein Schwerpunkt unserer politischen Arbeit – das „C“ ist für uns Programm.

Mehr als 100 Mio. Christen weltweit werden aufgrund ihres Glaubens verfolgt, vor allem durch islamistische Terrorgruppen im Nahen Osten und in Afrika. Damit sind sie die zahlenmäßig größte Gruppe der Bedrängten und Verfolgten. In diesem Jahr werden allein 450.000 Menschen zu uns nach Deutschland kommen. Darunter viele Christen. Viele von ihnen haben die Gräuel des Krieges gesehen und kommen mit weniger als einem Rucksack bei uns an. All diese Menschen eint der Glaube, die Hoffnung, dass man wo anders frei glauben kann – und auch den Glauben wechseln kann – ohne dafür verschiedensten Diskriminierungen ausgesetzt zu sein und ohne um Leib und Leben fürchten zu müssen.

Die Religionsfreiheit ist so ein elementares Menschenrecht, dass sie durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und das Grundgesetz besonders geschützt werden. Denn viele Menschen betrachten den Glauben als Fundament ihres Lebens. Für viele Menschen ist die Glaubensfreiheit daher subjektiv das wichtigste Grundrecht von allen. Jedoch vermischen sich religiöse Konflikte oftmals mit sozialen und wirtschaftlichen Spannungen. Laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung werden Christen in 102 von 192 untersuchten Ländern bedrängt und verfolgt. Laut dem Weltverfolgungsindex von Open Doors führt Nordkorea auf dem unrühmlichen Platz eins, gefolgt von Somalia, dem Irak und  Syrien auf Platz vier. Afghanistan, der Sudan, Iran, Pakistan, Eritrea, und Nigeria schließen sich an. Alles Länder, in denen Christen sich nie frei entfalten konnten und können.

Und dennoch kann Religion auf der Kehrseite so viel Positives bewirken, denn sie hat eine enorme entwicklungspolitische Gestaltungskraft. Entgegen der Erwartungen vieler Modernisierungstheoretiker Ende des letzten Jahrhunderts ist Religion in vielen Ländern heutzutage nach wie vor die entscheidende Werte-Ressource, die gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben kann. Religiöse Institutionen tragen enorm zur Wohlfahrt bei. Nach Schätzungen der Weltbank werden in Subsahara-Afrika ungefähr die Hälfte aller Leistungen im Bereich Bildung und Gesundheit von religiösen oder religiös-motivierten Organisationen erbracht. Als westliche Wertegemeinschaft müssen wir daher den Dialog mit den religiösen Akteuren in diesen Ländern immer wieder suchen und so die Entwicklung hin zu Versöhnung und Zusammenarbeit vor Ort beeinflussen.

Es bleibt dabei: Wir müssen die Ursachen für Flucht und Vertreibung an der Wurzel bekämpfen. Damit es erst gar nicht zu dieser elenden Wanderschaft, und der oft lebensgefährlichen Flucht kommen kann. Und damit Christen auf der ganzen Welt frei ihren Glauben leben können.

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