Nachruf auf Helmut Schmidt

Er galt als Jahrhundert-Lotse,  als der richtige Mann in der falschen Partei, Elder Statesman, Weltökonöm und Weichensteller. Als deutscher Kanzler von 1974 bis 1982 prägte er nachhaltig Europa und Deutschland. Als Innensenator hatte er die Hamburger Sturmflut mit Hilfe der Bundeswehr erfolgreich bekämpft. Die RAF hat er mit Hilfe der Rasterfahndung des Bundeskriminalamts in die Enge getrieben. Er blieb standhaft bei der Geiselbefreiung in Mogadischu, als RAF- Sympathisanten die Lufthansamaschine „Landshut“ entführten und sich ohne Aussicht auf Erfolg einem starken Staat in Form der Spezialeinheit  GSG-9 gegenüber sahen.

Der Nato-Doppelbeschluss in den 80er Jahren mit der Ausstellung amerikanischer Pershing-2-Raketen in der Bundesrepublik trug genauso seine Handschrift, wie etliche Schuldenhaushalte, die vor seiner Zeit in der Bundesrepublik unbekannt waren. Die Nettokreditaufnahme des Bundes erhöhte sich von 9,5 Milliarden Mark bei Schmidts Amtsantritt 1974 auf 40 Milliarden im Jahr 1982 bei seinem Abschied.

Er war ein Wegbereiter des Euro. Unter ihm begann der hemmungslose Ausbau des Sozialstaats, eines Wohlfahrtsstaates, der auf Dauer die Wirtschaftskraft des Landes überforderte. Von den fatalen Auswirkungen der demografischen Entwicklung für die Rentenkassen nicht zu sprechen. Die Visionen der Atomkraftgegner  waren für ihn nur „Modeerscheinungen, die in zehn Jahren vorbei sind.“ Die Grünen, deren Entwicklung er neben der SPD so begünstigte,  gibt es heute noch.

Im Alter blieb er stets kritisch, außer gegenüber dem Rauchen und den Gewalt-Regimen in Moskau und Peking, die er rechtfertigte. In zahlreichen Büchern zeigte er im hohen Alter oft überraschend scharfe Analyse-Fähigkeiten. Und Helmut Schmidt war sicher einer, der stets Flagge zeigte. Ein großer seiner Zunft. Mit ihm geht eine markante Persönlichkeit der Politik, von denen es immer weniger gibt.
 

Zurück