Kommentar zu AKK

Offener Brief zum Kommentar in der Nürnberger Zeitung vom 08.12.2018

Sehr geehrter Herr Sohr,

Ihre individuellen und scharfsinnigen Darstellungen schätze ich sehr. Ihrem Kommentar zur Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers zur CDU-Vorsitzenden muss ich aber wiedersprechen.

Die Entscheidung für sie ist keine verpasste Chance. Sie stellen es dar, als sei mit Frau Kramp-Karrenbauer ein neuer Aufbruch mit klaren bürgerlich-christlich-konservativen Werten nicht möglich. Mit der Forderung, sie solle mehr sein als nur „Erfüllungsgehilfin“, sie solle sich von der Kanzlerin „emanzipieren“ und sich Herrn Merz zur Hilfe holen, reihen Sie sich in die Riege derer ein, die diese Frau unterschätzen. Sie vergessen dabei, dass Frau Kramp-Karrenbauer über ein eigenes, von der Kanzlerin abweichendes, konservatives Profil verfügt und eine eigenständige, erfolgreiche Politikerin ist, die Wahlerfolge und Regierungsverantwortung vorweisen kann. Objektiv gesehen gibt es also keinen Anlass für Diminutive.

Ich hatte im Fraktionsvorstand immer das Vergnügen, neben Frau Kramp-Karrenbauer zu sitzen und habe eine sehr kluge Frau kennengelernt, die über ein vermittelndes Wesen verfügt und sowohl dem Wunsch nach Verortung in der politischen Mitte als auch dem Bedürfnis einer klar christlich-konservativen Ausrichtung entsprechen kann. Das sind für mich keine Widersprüche.

Herr Merz war ohne Zweifel ein würdiger Gegenkandidat. Das sehr knappe Ergebnis in der Stichwahl sehe ich nicht als Zeichen von zwei Lagern mit diametral unterschiedlichen Wünschen, sondern als Zeichen dafür, dass es zwei sehr gute Kandidaten gab.

Dass Frau Kramp-Karrenbauer gewann, sehe ich nicht als verpasste Chance, sondern als kluge Entscheidung. Es gehört viel dazu, eine Partei mit über 50 Jahren führender Regierungsverantwortung im Bund zu leiten. Eine Entscheidung für Friedrich Merz wäre ein nicht kalkulierbares Wagnis gewesen. Er ist ein Wirtschaftsliberaler mit herausragender Sachkenntnis. Aber das allein genügt nicht, um ein Land zu regieren. Er hat bisher, im Gegensatz zu Frau Kramp-Karrenbauer keine einzige Wahl gewonnen.

Freundlich grüßt Sie

Michael Frieser MdB

Zurück